Eine der wichtigsten Fragen, die sich ein Mensch stellen sollte ist „Wer bin ich?“. Woraus unser konstruiertes Ich eigentlich besteht wissen wir aus meinem vorherigen Beitrag. Wir wissen nun, dass der Großteil unserer Persönlichkeit statisch ist und ein kleiner Teil situativ, oder beeinflussbar. Jeder hat vermutlich schon einmal die Aussage gehört „Wenn du es nur willst, kannst du alles werden.“ Diese Aussage ist zwar teilweise richtig, aber ignoriert einen wichtigen Faktor. Einige unserer Eigenschaften werden wir vielleicht niemals ändern können, denn Menschen sind unterschiedlich. Jemand der im Rollstuhl sitzt wird vermutlich nicht der beste Tennisspieler der Welt. Aber nicht nur unser Körper, sondern auch unser Geist setzen uns Grenzen. Und daran ist auch überhaupt nichts verkehrt! Gerade weil jeder Mensch gewisse Grenzen hat, gibt es auch so unglaublich viele unterschiedliche Lebensarten. Niemand ist gleich und das ist wunderbar.

“Erkenne dich selbst”

Gerade durch das Internet wird uns bewusst wie viele Möglichkeiten es gibt sein Leben zu gestalten und wir fühlen uns davon oft eingeschüchtert. Viele von uns wissen dann einfach nicht wie sie sich verhalten sollen, oder welchen Weg sie einschlagen sollen. Die einfachste und gängige Lösung für dieses Problem ist es, sich der Gesellschaft und ihren Vorgaben anzupassen.  Von allen Seiten werden wir mit Vorgaben, gutgemeinten Ratschlägen und Weltvorstellungen bombardiert. Und ehe wir uns versehen leben wir ein Leben, das gar nicht für uns bestimmt war. Wir Leben ein Leben, von der Stange. Wie in einem billigen zu kleinen oder zu großen Anzug fühlen wir uns unwohl und falsch. Was wir dagegen brauchen ist ein maßgeschneiderter Anzug aus den feinsten Stoffen, der perfekt auf unserem Körper anliegt. Nur so fühlen wir uns wirklich wohl in unserer Haut.

Gerade als junger Mensch sollte ich niemals aufhören mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Doch das klingt einfacher als es ist. Das kann ein komplizierter, langwieriger und schmerzhafter Prozess sein. Doch glaubt mir es gibt nichts, dass sich mehr lohnt. Gottseidank gibt es gewisse „Tools“ aus der Psychologie, die es einem einfacher machen. Ich zeige euch mit diesem Beitrag die erste Methode sich selbst etwas besser zu verstehen.

Die Fünf Faktoren Persönlichkeitsanalyse

Die Fünf Faktoren Analyse (Auch bekannt als Big 5 Analyse, oder OCEAN Modell) ist eine Methode die eigenen „Traits“  herauszufinden. Traits sind im Grunde Persönlichkeitsmerkmale, die fester Bestandteil unseres Charakters sind und sich im Normalfall situativ kaum ändern. Bei dieser Methode muss man einige Fragen beantworten und anhand des Antwortverhaltens wird dann der individuelle Persönlichkeitstyp ermittelt. Dieser bildet sich aus folgenden Persönlichkeitsmerkmalen:

Extraversion:

Dabei handelt es sich um das Maß, wie sehr wir auf äußere Reize reagieren. Menschen mit einem hohen Grad an Extraversion nennt man Extrovertiert und Menschen mit einem geringen Grad an Extraversion nennt man Introvertiert.

Typische Anzeichen für Extrovertierte sind, dass sie gerne unter Menschen, personenorientiert und gesprächig sind. Sie stehen auch gerne im Mittelpunkt. Sie sind herzlich, optimistisch, heiter und lachen viel. Sie sind eher oberflächlich, lieben äußere Stimulation und Aufregung, Sie sind gerne auf Parties, unter Leuten und mögen Action.

Typische Anzeichen für Introvertierte sind, dass sie zurückhaltend bei sozialen Interaktionen, gerne allein und unabhängig sind. Sie sind eher ruhig und in sich gekehrt. Und sie beschäftigen sich mehr mit tiefgründigen Themen und sind gerne an stillen Orten wie der Natur oder im Zimmer.

Zwischendurch sei angemerkt, dass alle Traits normalverteilt sind. Das bedeutet, dass die meisten Menschen bei einem Faktor eher die Mitte wählen.

Neurotizismus:

Dieser Faktor spiegelt individuelle Unterschiede beim Umgang mit negativen Emotionen wider.

Menschen mit einem hohen Grad an Neurotizismus werden auch als emotional instabil/ emotional sensibel bezeichnet. Diese Personen erleben häufiger Angst, Nervosität, Anspannung, Trauer, Unsicherheit und Verlegenheit. Emotionale Empfindungen werden bei ihnen schneller ausgelöst und sind intensiver. Sie tendieren zu mehr Sorgen um ihre Gesundheit, neigen zu unrealistischen Ideen und haben Schwierigkeiten, in Stresssituationen angemessen zu reagieren.

Menschen mit einem geringen Grad an Neurotizismus werden auch als emotional stabil/ belastbar bezeichnet. Diese Personen sind eher ruhig, zufrieden, stabil, entspannt und sicher. Sie erleben seltener negative Gefühle. Dabei sind niedrige Werte nicht zwangsläufig mit dem Erleben von positiven Emotionen verbunden.

Offenheit:

Dieser Faktor beschreibt das Interesse an neuen Erfahrungen, Eindrücken und Erlebnissen.

Menschen mit hohen Werten für Offenheit sind fantasievoll, kreativ und wissensbegierig. Sie hinterfragen bestehende Normen und Prozesse, beschäftigen sich gerne mit Kunst, Philosophie oder aktuellen Themen. Sie sind unabhängig in ihrem Urteil, verhalten sich häufig unkonventionell, erproben neue Handlungsweisen und bevorzugen Abwechslung. Außerdem nehmen sie ihre positiven und negativen Gefühle stärker wahr.

Menschen mit niedrigen Werten an Offenheit sind konservativ, bevorzugen das Bekannte und halten an bestehenden Normen und Regeln fest. Zudem sind sie weniger gefühlvoll.

Gewissenhaftigkeit:

Je gewissenhafter eine Person ist, desto mehr fühlt sie sich ihren Zielen und Aufgaben verpflichtet und blendet somit unwichtige Reize und Informationen aus. Die Menschen die hier hohe Werte aufweisen sind konzentriert, fokussiert und diszipliniert.

Menschen mit geringen Werten an Gewissenhaftigkeit sind lockerer und reagieren stärker auf Reize und spontane Informationen, wodurch sie auch leichter abzulenken sind. Sie sind hedonistischer und weniger auf Ziele ausgerichtet.

Verträglichkeit:

Dieser Faktor bezeichnet das Verhalten anderen entgegen zu kommen, Konfrontation und Konflikte zu vermeiden und sich konform zu verhalten.

Menschen die hier hohe Werte aufweisen sind altruistischer, opfern sich mehr für andere auf und ordnen die eigenen Bedürfnisse denen der Gemeinschaft bzw. des Gegenübers unter. Sie passen sich an die gegebenen Normen an und entwickeln teilweise keine eigenen.

Menschen die niedrige Werte an Verträglichkeit aufweisen sind mehr an ihren eigenen Normen, als an denen der Gemeinschaft interessiert. Sie verfolgen hartnäckig ihre eigenen Interessen und Ziele und lieben den Wettbewerb und die Konkurrenz. Sie neigen dazu ihre Ansichten bei anderen durchzusetzen.

Es gibt glücklicherweise einige kostenlose Tests im Internet. Einer von ihnen ist zum Beispiel dieser hier:

HIER

Ich zeige euch nun anhand meines Ergebnisses, was wir daraus schließen können und wie wir damit umgehen sollten. (Ich habe hier meine Punktzahl anhand des Durchschnitts der Punktzahlen der jeweiligen Faktoren berechnet)

Mein Ergebnis:

Offenheit:                   8 Punkte

Gewissenhaftigkeit:   6 Punkte

Extraversion:              7 Punkte

Verträglichkeit:          4 Punkte

Neurotizismus:          3 Punkte

Wie man sieht habe ich einen sehr hohen Wert für Offenheit, was sich darin äußert, dass ich kreativ bin, unternehmungslustig, mich gerne mit intellektuellen Themen beschäftige und kein Fan von Smalltalk bin. Diese Eigenschaften hatte ich bereits als kleines Kind und bin damit absolut zufrieden. Ohne diese Fähigkeiten hätte ich vermutlich nie mit diesem Blog angefangen 😉

Mein relativ durchschnittlicher Wert für Gewissenhaftigkeit machte mir offengesagt schon immer zu schaffen. Ich arbeite seit ich klein bin daran, weil dieser Faktor stark den Erfolg beeinflusst. Glücklicherweise konnte ich einige Aspekte verbessern, wie z.B. mein Kompetenzbewusstsein, mein Leistungsstreben und meine Selbstdisziplin. Meine Unordentlichkeit und Konzentrationsschwäche zählen zu meinen größten Herausforderungen. Leider ist dieser Trait stark von der Genetik abhängig. Aber man kann an seiner Gewissenhaftigkeit arbeiten. Bis zu einem gewissen Grad zumindest. Jemand der gar keine Selbstdisziplin hat, der wird vermutlich nicht einmal an sich arbeiten wollen, aber man kann seine Traits mit kleinen Schritten verändern. Man muss es aber auch nicht. Nicht jeder kann oder muss gar erfolgreich im Beruf werden. Viele sind sogar glücklicher, wenn sie es nicht sind. Doch die meisten, die eine starke Gewissenhaftigkeit entwickeln schaffen dies entweder durch schlimme Umstände und die daraus resultierende Motivation, oder durch externe Hilfe von einem Experten. Doch ohne den eigenen WILLEN etwas zu ändern wird nichts passieren und man bleibt so wie man ist.

Mein relativ hoher Wert an Extraversion zeigt, dass ich gerne mit Menschen in Kontakt trete, mich durchsetzen kann und Abenteuer und externe Stimulation liebe. Doch auch hier muss ich sagen, dass nicht alle diese Eigenschaften bei mir von Geburt an gegeben waren. Diese Aspekte zählen bei mir zu jenen, an denen ich am härtesten in meiner Jugend gearbeitet habe und es immer noch tue. Ich war als Kind zwar nie komplett Menschenscheu und mochte schon immer Abenteuer, aber ich hatte immer Probleme damit mich in Menschen hinein versetzen zu können. Außerdem war ich unsicher und hatte Probleme auf andere zuzugehen. Ich war viel in meiner eigenen Welt und gerne alleine. Heute beschreiben mich Leute als selbstbewusst, charismatisch und dominant. Ich verdanke das eindeutig der Persönlichkeitsentwicklung und der harten Arbeit die ich teilweise reingesteckt habe. Aber ehrlich gesagt bin ich noch bei weitem nicht so sozial kompetent wie ich es gerne wäre. The struggle continues… Ich will damit nur sagen, dass auch DU es schaffen kannst deine Persönlichkeit bis zu einem bestimmten Grad zu beeinflussen. Gib niemals auf!

Mein geringer Wert im Bereich Verträglichkeit zeigt mich nun mal so wie ich bin. Ich bin rebellisch, lasse mir ungerne etwas diktieren und stehe immer zu meinen Werten. Das Einzige was mich davon abhält wieder in die Kriminalität abzurutschen ist mein stark ausgeprägtes Mitgefühl und Gerechtigkeitsbewusstsein. Zudem glaube ich an eine höhere Macht. Generell gibt es bei den Ausprägungen der Faktoren kein Gut oder Schlecht, aber Gefängnisse sind voll von extrem unverträglichen Menschen, die Führungssessel allerdings auch. Gleichzeitig lassen sich Menschen mit extrem hohen Werten an Verträglichkeit ausnutzen und machen sich so ihr Leben zur Hölle, können aber auch zu Märtyrern werden.

Zu guter Letzt habe ich einen geringen Wert für Neurotizismus/negative Emotionalität, was mir dabei hilft in stressigen oder chaotischen Situationen ruhig zu bleiben. Ich zerbreche mir im Normalfall auch nie den Kopf über Kleinigkeiten, die schief gehen. Ich glaube diese Eigenschaft hatte ich schon immer.

In den kommenden Beiträgen werde ich noch auf andere Methoden eingehen sich selbst zu analysieren eingehen. Des Weiteren spreche ich noch öfter über Methoden der Persönlichkeitsentwicklung…