Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Charakter und Persönlichkeit oft synonym verwendet und jeder hat ein ungefähres Verständnis davon was es bedeutet „selbstbewusst“ zu sein. Ich möchte hiermit darstellen was das „Ich“ ist, dass jeder von uns besitzt und woraus es zusammengesetzt ist.

Die Persönlichkeit

Der Begriff Persönlichkeit bezeichnet die Gesamtheit der individuellen Ausprägung eines Menschen. Dazu gehören körperliche Erscheinung, die Art und Weise wie er sich verhält, seine Denkmuster, seine Einstellungen und Überzeugungen, seine Werte und seine Emotionen.

Die Gene

Eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Determinante für unsere Persönlichkeit sind unsere Gene. Diese erhalten wir von unseren Eltern und obwohl wir nur zwei Eltern haben gibt es für unsere Gene unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Es ist also ein Wunder, dass wir ausgerechnet so auf die Welt gekommen sind, wie wir jetzt sind.  Durch die Gene werden nicht nur optisch sichtbare Merkmale wie Größe, Haarfarbe und Augenfarbe bestimmt, sondern auch weniger sichtbare Eigenschaften wie Erbkrankheiten, körperliche Fitness und Veranlagungen vererbt. Unsere genetisch vorgegebene Erscheinung lässt sich nur zu einem gewissen Grad verändern und ist bereits ein wichtiger Faktor wenn es um die Reaktion anderer Menschen auf uns geht. Entscheidend sind die Gene auch im Umgang mit äußeren Einflüssen, doch dazu später mehr.

Unsere genetischen Voraussetzungen lassen sich so gut wie nicht beeinflussen und bestimmen bereits über mindestens 50 % unserer Verhaltensweisen. Zum einen gibt es Verhaltensweisen die alle Menschen unter einander und sogar mit Tieren teilen und zum anderen gibt es individuelle genetische Eigenschaften. Bereits bei Kleinkindern lassen sich demnach spezifische Eigenheiten erkennen. Jeder der kleine Kinder beobachtet wird dies feststellen. Diese ursprüngliche und „ungeschliffene“ Art sich zu verhalten nennt man/nenne ich Temperament. Und diesen Teil des Ichs nenne ich „Kern-Ich“.

Um es zu verbildlichen nutze ich das Beispiel einer Skulptur. Unser Kern-Ich ist das Material woraus die Skulptur besteht und damit aus diesem Material eine prächtige Statue wird muss jemand es bearbeiten. Der Bildhauer, der die Statue formt ist das Leben selbst bzw. die äußeren Einflüsse. Wir Menschen werden zu einem erheblichen Teil durch unsere Erfahrungen geformt. Hierbei gilt, je heftiger der Bildhauer zuschlägt, desto gravierender die Folgen.

Unsere Kindheit

Die Kindheit ist für gewöhnlich die entscheidendste Phase in der Entwicklung eines Individuums. Die Erfahrungen, die wir als Kind (besonders im Alter bis 4 Jahre) machen beeinflussen am meisten unseren Charakter. Und schon sind wir bei diesem wichtigen Begriff angekommen. Simpel gesagt ist unser Charakter der Teil unserer Persönlichkeit, der stetig zu sein scheint und sich im Verlauf unseres Lebens kaum ändert. Hierbei spielt natürlich unser Temperament mit hinein und vor allem unsere frühsten Erfahrungen. Wenn ich also z.B. vom Temperament her eher ruhig bin und wenig spreche nehmen das meine Eltern wahr und behandeln mich dementsprechend. Beobachten sie mich sorgfältig, schenken mir viel Aufmerksamkeit und gehen auf mich ein, dann entwickle ich ein gesundes grundlegendes Selbstbewusstsein. Wenn sie mich jedoch häufig anschreien und zwingen gefälligst meinen Mund auf zu machen, oder noch schlimmer, gar nicht auf mich reagieren, dann wachse ich mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem geschädigten Selbstbewusstsein oder psychischen Problemen auf. Wie stark mich solche Erfahrungen negativ prägen hängt auch stark von meiner Veranlagung ab, aber das war nur eine grobe und vereinfachte Zusammenfassung dieses Phänomens.

Die Erziehung durch unsere Eltern…

…ist entscheidend bei der Entwicklung von Gewohnheiten, die uns teilweise nicht einmal auffallen. Unsere Eltern zeigen uns teils bewusst und teils unbewusst wie wir uns in der Gesellschaft und der Welt zu verhalten haben. Allerdings wurde z.B. durch Zwillingsstudien längst bewiesen, dass die Erziehung nur einen sehr schwachen Einfluss auf unsere Persönlichkeit hat. Meistens verhalten sich Eltern jedoch unterschiedlich mit unterschiedlichen Kindern. Bis etwa ins Alter von 4 Jahren sind unsere Eltern auch die wichtigsten Bezugspersonen für uns und wir lernen fast ausschließlich von ihnen. Ab diesem Alter aber fangen wir an immer mehr mit unseren Gleichaltrigen zu interagieren und sie werden zu unseren wichtigsten Bezugspersonen. Wir bilden uns durch die Interaktion mit der Welt eine Meinung wie sie funktioniert und versuchen uns demnach zu verhalten. 

Erst nachdem wir anfangen mit anderen Menschen zu interagieren entwickeln wir tatsächlich ein Bewusstsein über unser Ich. Und ab da fangen wir an ständig zu reflektieren wer wir sind und wie man sich in einer bestimmten Situation zu verhalten hat.

Jetzt fällt dem/der ein oder anderen vielleicht auf, dass wir bisher auf alles was unsere Persönlichkeit formt kaum einen Einfluss haben. Wir können uns weder unsere Gene noch unsere Eltern aussuchen. Haben wir überhaupt einen Einfluss auf unsere Persönlichkeit? Ja den haben wir und dazu komme ich noch später, aber erst einmal zähle ich noch ein paar Faktoren auf, auf die wir keinen Einfluss haben.

Die soziale Gruppenzugehörigkeit

Die Gesellschaft und die Kultur in der Wir leben beeinflusst uns bewusst und unbewusst dadurch, dass sie uns gewisse Werte und ein gewisses Weltbild vorgibt an das wir uns zu halten haben, wenn wir nicht aus ihr verstoßen werden wollen. Die Medien spielen hierbei eine unglaublich wichtige Rolle, weil wir dazu neigen, uns mit anderen zu vergleichen und wir leben heute in einer Zeit in der die Möglichkeiten sich mit anderen Menschen zu vergleichen schier unendlich sind. Zudem lässt sich heute statistisch darstellen, dass die soziale Zugehörigkeit ein starker Indikator für unsere Meinungen, Werte und unser Verhalten ist. Simpel gesagt werden wir von jeder sozialen Gruppe der wir zugehörig sind beeinflusst.  Es fängt an mit der engsten sozialen Gruppe, nämlich der Familie, dann vielleicht der Freundeskreis und dann die unzähligen anderen sozialen Gruppen denen man (un)freiwillig angehört. Der Spruch „Zeig mir deine Freunde und ich sag dir wer du bist“ ist nicht an den Haaren herbeigezogen.

Aufmerksamen Lesern kommt jetzt vielleicht folgender Gedanke: „Moment mal, meinen Freundeskreis suche ich mir doch selbst aus? Und ich kann ja auch sozial aufsteigen und in eine andere Stadt ziehen?“ BINGO! Ich habe jetzt eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Die gute Nachricht ist, dass ich jetzt darauf eingehe wie man eben sehr wohl selbst bestimmen kann wer man ist und wie andere einen wahrnehmen. Die schlechte Nachricht ist, dass der Mensch sich nur sehr schwer und ungern ändert. Er verfällt immer wieder in alte Muster und legt gewisse Eigenarten vielleicht niemals ab. Offen gesagt haben wir durch die Gene, unsere Erziehung und den unkontrollierbaren Einfluss der Gesellschaft nicht mehr sehr viel Spielraum.

Persönlichkeitsentwicklung

Wie dem auch sei…Die nächste Unterscheidung die gemacht werden muss ist die zwischen Persönlichkeit und Persona. Die Persönlichkeit umfasst alle Eigenschaften die ein Mensch hat. Persona dagegen stammt vom Lateinischen und bedeutet Maske. Die Persona ist der Teil unserer Persönlichkeit, den wir bewusst nach außen darstellen. Unsere Persönlichkeit lässt sich unterteilen in:

Unser wahres Ich,

unser eigenes Bild von uns selbst,

das Bild von dem wir möchten, dass andere es von uns haben,

und das Bild das Andere Wirklich von uns haben.

In uns leben im Grunde mehrere Personen, die wir je nach Situation nach außen bringen können. Dieses bewusste Verhalten ist von essentieller Bedeutung und kann trainiert werden. Dieser Vorgang des Trainings ist auch bekannt als Persönlichkeitsentwicklung. Hierbei arbeite ich daran, wie ich auf andere Menschen wirke, was eine Wissenschaft für sich ist und abhängig vom Motiv auch als Manipulation bezeichnet werden könnte. Psychopathen zum Beispiel sind Meister darin, aber es ist keineswegs verwerflich an seinem Auftreten zu arbeiten. Im Gegenteil, es ist sogar überlebenswichtig. 

Die nächste Möglichkeit seine Persönlichkeit zu verändern ist es seine soziale Umgebung zu ändern. Das bedeutet in eine andere Stadt zu ziehen, neue Leute kennen zu lernen, einen neuen Job anzufangen und vielleicht weniger oder andere Medien zu konsumieren.

Die schwierigste Aufgabe jedoch ist es an seinem Charakter zu arbeiten und das schafft man nur indem man sich erst einmal bewusst wird was einen überhaupt ausmacht. Das mag einfach klingen ist aber ein langer, vielleicht lebenslanger Prozess. Tatsächlich kann man sich seinem „wahren Ich“ nur annähern und niemals mit Sicherheit wissen wer man eigentlich im tiefsten Inneren ist.  Glücklicherweise bietet uns die Psychologie einige Methoden an, um sich selbst zu analysieren, auf die ich in anderen Artikeln näher eingehen werde. Zudem gibt es noch weitere effektive Methoden, die nur wenig mit Wissenschaft zu tun haben…

Spiritualität

Wir können vielleicht objektiv beschreiben wer wir sind und haben eine Vorstellung davon was im derzeitigen Augenblick unsere Identität ausmacht, doch wer sich wirklich im Kern selbst erkennen will, dem bleibt keine andere Möglichkeit als die Spiritualität. Auch hierüber werde ich noch einige Artikel schreiben, doch eins sei schon mal vorweggenommen. Wir definieren uns vielleicht über äußere Merkmale und unsere Gedanken, aber wir sind nicht unsere Gedanken oder unser Körper. Es ist natürlich jedem selbst überlassen woran er glaubt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Seele besitzen und es mehr auf der Welt gibt als die Physische Welt ist meiner Meinung nach hoch. Tief in sich zu gehen und mit seiner eigenen Seele (oder auch Gott) zu kommunizieren ist immer noch die effektivste Art sich selbst zu erkennen. Mittlerweile gibt es einige Studien, die sich mit Meditation und Spiritualität beschäftigen, die das bestärken.

Das war ein sehr knapper Überblick über die Persönlichkeit und unser Bewusstsein. Alle Aspekte die hier angeschnitten wurden werden in zukünftigen Beiträgen noch deutlich ausführlicher behandelt.