Anfang Dezember war ich im Europäischen Parlament  in Brüssel. Mein Geschäftspartner Simon Jacob hatte dort einen Vortrag und bat mich ihn zu begleiten. Ich hatte anfangs keine Ahnung, was genau mich dort erwartet, doch ich sagte einfach zu. Wer hat denn auch sonst die Möglichkeit aus dem europäischen Parlament zu berichten?! Nach einer langen Fahrt und einer Nacht in unserem Appartement ging es dann los. Zu dem Zeitpunkt wusste ich bereits um welches Thema es geht. Es ging um die Situation religiöser und kultureller Minderheiten im nahen Osten und ganz speziell um die aktuelle Situation der Kurden in der Türkei. In diesem Beitrag erzähle ich von meinen Eindrücken und erkläre euch so einfach wie möglich die Zusammenhänge des Konflikts. Hier findet ihr das Video auf Youtube zu dem Thema.

Die Kurden sind ein westasiatisches Volk, welches zu diesem Zeitpunkt in vielen unterschiedlichen Ländern angesiedelt ist. Der größte Teil der Kurden lebt in der Türkei (13 Mio.), weitere leben im Irak (4 Mio.), Iran (5,7 Mio.), Syrien (1 Mio.) und Armenien (400.000). Auch in Deutschland leben ca. 600.000 bis 1 Mio. Kurden. Es gibt allerdings drei kurdische Sprachen und unterschiedliche religiöse Zugehörigkeiten, weswegen es nicht leicht zu sagen ist wer Kurde ist und wer nicht.

Historischer Zusammenhang

Der Konflikt zwischen den Kurden und der Türkei begann nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches. Das Osmanische Reich war ein Vielvölker-Staat, zu dem auch Kurdistan gehörte. Doch nach dem ersten Weltkrieg wurde das Gebiet von den Briten und Franzosen im Sinne ihrer eigenen Interessen aufgeteilt. Anfangs war von den Briten eine Errichtung eines kurdischen Staates geplant, doch der immer stärker werdende General Mustafa Kemal Atatürk (Vater der Türken) lehnte sich gegen die Fremdherrschaft auf und schaffte es dann die Kurden auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen Gleichberechtigung und eine eigene Nation versprach. Er schaffte es die Alliierten zum Vertrag von Lausanne zu zwingen, woraufhin das Gebiet der Kurden in neue Staaten aufgeteilt wurde und diese dann ohne einen eigenen Staat blieben. Atatürk verfolgte daraufhin den Plan die Türkei zu einer homogenen Nation zu machen und das passte vielen Kurden gar nicht, denn dadurch waren sie gezwungen sich zu assimilieren und ihre eigene kulturelle Identität aufzugeben.  Kurz darauf gab es dann den ersten kurdischen Aufstand, der gewaltsam von der türkischen Regierung beendet wurde. Die Kurden forderten eine Rückkehr zum Khalifat und Sultanat, was überhaupt nicht zu den modernen Vorstellungen Atatürks passte. Immer wieder wurden seitdem kurdische Aufstände gewaltsam von der türkischen Regierung unterbunden.

Seit damals werden die Kurden in der Türkei unterdrückt. Sie dürften nicht ihre eigene Sprache sprechen und auch gewisse kulturelle Bräuche nicht ausüben. Der Widerstand der kurdischen Bevölkerung wurde immer größer und die stärkste Widerstandsgruppe war die PKK. Diese wurde von Abdullah Öcalan angeführt. 1984 kam es zu den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK. Da die PKK hierfür Mord, Entführungen, Anschläge und Selbstmordattentate einsetzte wurde sie von vielen westlichen Staaten und vor allem der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Die Türkei reagierte darauf mit Luftanschlägen und bombardierte kurdische Stellungen. Daraufhin wurde Abdullah Öcalan festgenommen. Die Lage entspannte sich anschließend etwas und den Kurden wurde es wieder erlaubt ihre eigene Sprache zu sprechen und sie bekamen einige andere kulturelle Privilegien wie z.B. einen eigenen Fernsehsender. Es wurden sogar Friedensprozesse eingeleitet. Doch es dauerte nicht lange, bis die Situation wieder eskalierte und es zu Toten auf beiden Seiten kam. Im Jahr 2015 wurden die Friedensprozesse endgültig über Bord geworfen.

Thema der Veranstaltung

Wie bereits erwähnt ging es in der Veranstaltung Primär um die aktuelle Situation in der Türkei und hierfür waren Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen zu Gast, um einen kurzen Vortrag zu halten und ihre Sicht auf die Situation darzustellen. Die Gäste waren hauptsächlich eher pro kurdische Aktivisten. Simon Jacob sprach dort als der Vertreter des Zentralrates für orientalische Christen.

Ein großes Problem in der Türkei ist die fehlende Meinungs- und Redefreiheit. Die Türkei ist das Land mit den meisten inhaftierten Journalisten und auch Studenten und Politiker wurden inhaftiert. Unter anderem auch gemäßigte kurdische Politiker mit hoher Rangordnung. Laut Aussagen der dortigen Teilnehmer finden in der Türkei unzählige Menschenrechtsverletzungen statt. Es befinden sich 200.000 Menschen im Gefängnis und teilweise wird bei Gefangenen die Folterstrafe angewendet. Auch die Kinderarmut in der Türkei ist nicht außer Acht zu lassen. (ca. 2 Mio. arme Kinder) Es gibt sogar inhaftierte Kinder. Die kurdische Bevölkerung wird häufig überwacht, muss sich teilweise regelmäßig bei der Polizei melden etc. Die Kurden haben zudem einen schwierigeren Zugang zu Bildungseinrichtungen und das Verhalten gegenüber den Frauen hat sich offenbar wieder verschlechtert. Patriarchische Strukturen nehmen wieder stärker zu. Aktuell führt die türkische Regierung einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Kurden auf nordsyrischem Boden. Dabei kamen schon tausende Menschen ums Leben.

Viele der Teilnehmer der Veranstaltung sehen die Kurden als eine demokratische, (linke) Bewegung, die sich nichts mehr als einen eigenen Staat wünscht und versucht sich aus der Unterdrückung zu befreien. Sie sollen sich auch für die Menschen- und Frauenrechte einsetzen.

Welche Rolle spielt der Westen in diesem Konflikt?

Nun, der Westen spielt wie so oft keine geringe Rolle in dem Konflikt, denn der Ursprung dessen war unter anderem die imperialistische Vergangenheit der westlichen Staaten, die das Gebiet des nahen Ostens unter sich aufgeteilt hatten. Der gesamte nahe Osten ist aufgrund einiger wirtschaftlicher und politischer Entscheidungen des Westens dermaßen instabil geworden… Dazu kommen noch einige andere Beiträge … Bis heute ist der Westen nicht unbeteiligt. 2017 griffen die Türken die Kurden mithilfe deutscher Leopard Panzer an, was für einige Schlagzeilen sorgte. Der Krieg ist eben ein Geschäft. Die EU hält sich bei dem Ganzen eher zurück, was vor allem damit zu tun hat, dass die Türkei zur NATO gehört und auch weil die Türkei eine der wichtigsten Fluchtrouten unter Kontrolle hat. Sollte die Türkei ihre „Schleusen“ öffnen, dann dringen immer mehr Flüchtlinge in die EU ein, was diese größtenteils nicht möchte.

Die Kurden (besonders die YPG) spielen allerdings auch eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Terrorismus. Sie sind nämlich eine der erfolgreichsten Gruppierungen, die es geschafft haben den I.S. aus Syrien zu vertreiben. Aus diesem Grund bekamen sie auch viel Unterstützung von den USA. Doch jetzt da der I.S. weitestgehend vertrieben wurde schwindet das Interesse des Westens an den Kurden wieder und die U.S.A. wollen ihre Truppen von dort abziehen. Dabei fühlen sich die Kurden laut den Aussagen der Teilnehmer wie ein Spielball, wie eine Gruppe die immer wieder für ihre Zwecke benutzt und dann wieder fallengelassen wird.

Mein Fazit ist wie immer, dass zu einem Konflikt immer zwei gehören. Beide Seiten hätten sich anders verhalten sollen. Doch bei jedem Konflikt und jedem Krieg leiden immer die unschuldigen Zivilisten am meisten, die oftmals nichts damit zu tun haben wollen. Besonders das Verhalten der türkischen Regierung und die Unterdrückung der kurdischen Menschen bereiten mir Sorge.

Quellen:

https://www.igfm.de/von-atatuerk-bis-erdogan-der-konflikt-zwischen-tuerken-und-kurden/

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ausland/hintergrund-kurden-konflikt-100.html

http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54641/kurdenkonflikt

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurden

http://www.spiegel.de/thema/kurden/

http://www.sof.news/iraq/kurdistan-independence/

https://www.realmofhistory.com/2015/12/14/10-facts-ottoman-empire-army/

15th INTERNATIONAL CONFERENCE ON THE EUROPEAN UNION, TURKEY, THE MIDDLE EAST AND THE KURDS

THE KURDISH FACTOR IN WORLD POLITICS: CRISIS, CHALLENGES AND SOLUTIONS

Brussels, European Parliament

Wednesday 5th & Thursday 6th of December 2018