Bevor ich etwas über Brüssel und die Situation mit den Migranten erzähle, muss ich einfach auf Belgien an sich eingehen. Ich möchte das nicht zu sehr ausweiten, denn dafür reicht ein Beitrag nicht aus, aber hier kommt meine kurze Zusammenfassung. Wer sich detailliert damit auseinandersetzen will kann dies gerne tun.

Regierungssystem Belgiens

Belgien ist ein Nationalstaat, der in drei  Gebiete unterteilt ist: Flandern im Norden, Wallonien im Süden und Brüssel. Die Menschen in Flandern sprechen hauptsächlich Niederländisch und teilen auch kulturell viel mit den Niederländern. Die Wallonen dagegen sprechen Französisch und haben eine ähnliche Kultur wie die Franzosen. Obwohl Brüssel zum flämischen Gebiet gehört, sprechen die Menschen dort hauptsächlich Französisch, was die Situation kompliziert macht und für Spannungen sorgt. Des Weiteren gibt es ein kleines Gebiet im Osten, in dem hauptsächlich Deutsche wohnen.

Historisch gehörten die Provinzen Belgiens lange Zeit zu den Niederlanden, bis sich im Jahr 1840 die belgische Revolution ereignete. Diese wurde hauptsächlich von den französischsprachigen Bürgern angezettelt. Gründe hierfür waren vor allem sprachliche und kulturelle Unterschiede, sowie ökonomische Probleme. Der flämische Teil der Bevölkerung wurde hier irgendwie mit hinein gezogen und das Ergebnis war nun die Abspaltung Belgiens von den Niederlanden.

Anfangs war Wallonien das wirtschaftlich deutlich stärkere Gebiet, denn dort war die meiste Industrie angesiedelt. Die Flandern hatten dadurch auch ein schlechteres Ansehen in der Bevölkerung und weniger Rechte. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich das allerdings, weil in Flandern viele Technik- und Dienstleistungs- Unternehmen angesiedelt sind ist dieses Gebiet nun wirtschaftlich stärker als Wallonien.

Belgien ist eine konstitutionelle Monarchie mit einem parlamentarischen Regierungssystem. Das bedeutet, dass der König und die Minister die exekutive Macht haben und das Parlament auflösen können. Das Parlament erstellt die Gesetze und kann dafür den Ministerpräsidenten zum Rücktritt zwingen.

Soweit so gut, allerdings ist Belgien nun in die drei besagten Gebiete unterteilt, die jeweils genauso viel Macht haben wie die Bundesregierung und abgesehen davon gibt es eine weitere Unterteilung in Sprachgemeinschaften. Dadurch, dass sich die unterschiedlichen Gebiete uneinig sind und die Sprachgemeinschaften sich territorial mit den Gebieten überschneiden, entsteht hier ein Chaos. Am deutlichsten wird dies in Brüssel, das wie gesagt zwar zu Flandern gehört, in dem aber überwiegend Wallonen leben.

Die politischen Institutionen kommen also nicht wirklich zu einer Übereinkunft und die Spaltung zwischen der flämischen und der wallonischen Bevölkerung nimmt zu.

Kriminalität in Brüssel

Belgien und ganz besonders Brüssel hat offenbar noch ein anderes Problem, nämlich die hohe Kriminalität.

„Die gefährlichste Situation meines Lebens erlebte ich in Brüssel und nicht in einem Kriegsgebiet.“

Das sagt Simon Jacob, mein Geschäftspartner, der als Journalist schon in einigen Kriegsgebieten, wie dem Irak und Syrien war. Die Geschichte die er mir erzählte klingt wie aus einem Film, doch ich glaube ihm.

Bei einem geschäftlichen Aufenthalt in Brüssel trug er einen Anzug und hatte seinen Laptop in einer Tasche dabei. Unglücklicherweise stieg er bei der falschen Haltestelle aus und wurde kurz darauf von einigen Männern mit Migrationshintergrund ins Visier genommen. Einer der Männer ging auf ihn zu und beleidigte ihn. Simon erkannte, dass der Mann einen glasigen Blick hatte und schlussfolgerte daraus, dass er auf Drogen sein musste. Plötzlich spuckte ihm der Mann ins Gesicht. Überrascht sah Simon den darauf folgenden Fausthieb nicht kommen, der ihn schwer am Auge traf. Zu der Überraschung des Täters ließ er jedoch die Tasche mit dem Laptop nicht fallen und ging auf Konfrontationsmodus. Das verunsicherte wiederum den Täter, der perplex stehen blieb. Ein Taxifahrer nahm die Situation wahr und rief sofort die Polizei. Daraufhin flüchtete der Täter.  Als die Polizei dann ankam fanden sie den Täter und verfolgten ihn gemeinsam mit Simon. Als sie in einer Seitenstraße ankamen und sie den Mann festnehmen wollten, stürmten haufenweise anderer Männer mit Migrationshintergrund aus den Lokalen und umzingelten die Polizisten und Simon. Die vielen Männer schrien und machten bedrohliche Gesten, die signalisieren sollten, dass sie Simon die Kehle aufschlitzen wollten. Die Beamten flüchteten zusammen mit Simon aus der Situation. Daraufhin traf die Verstärkung ein und nahm unzählige der Männer fest. Die Polizisten stellten Simon nur die Frage ob er wahnsinnig sei sich in diesem Aufzug dort im Viertel zu zeigen und dass er großes Glück hatte. Sie erklärten auch, dass es sich dabei um eine gängige Strategie handelte, bei der das Opfer dazu gebracht wird die Tasche fallen zu lassen, während die Komplizen sie von hinten unauffällig stehlen.

Dieser Vorfall scheint in ähnlicher Art und Weise keine Ausnahme zu sein. Immer wieder werden in diesem Viertel  namens Molenbeek Menschen ausgeraubt und verprügelt. Oftmals werden die Täter nicht wieder gefunden und in vielen Fällen gibt sich die Polizei auch keine große Mühe. Kriminalität wird mehr oder weniger gesellschaftlich akzeptiert. Molenbeek ist das Viertel mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Brüssel. Über 25 % hier gelten als Arbeitslos. Allerdings muss man dazu sagen, dass dies in fast allen Großstädten in Europa der Fall ist. Parallelgesellschaften sind in Großstädten weit verbreitet und so ungern das manche auch hören wollen…Menschen mit Migrationshintergrund üben deutlich häufiger Straftaten aus, als Einheimische. Was einige andere aber nicht hören wollen ist, dass die meisten Migranten nicht kriminell sind.

DREI VIERTEL der Einwohner Brüssels haben einen Migrationshintergrund. Das bedeutet ganz einfach, dass es keine dominante Bevölkerungsgruppe mehr gibt. Es bedeutet auch, dass ganz offensichtlich nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund straffällig werden. Was mich allerdings etwas stutzig macht ist, dass ich selbst nach langem Suchen keine aktuelle Kriminalstatistik für Brüssel finde. Ich würde gerne einfach schwarz auf weiß sehen wie die Situation tatsächlich ist.

Terroristische Organisationen in Molenbeek

Wofür Brüssel leider auch bekannt geworden ist, sind die Anschläge die in Paris und Brüssel stattfanden. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Täter ursprünglich aus Molenbeek kommen und sich dem IS angeschlossen hatten. Belgien ist das europäische Land, aus dem sich die meisten Muslime, proportional zur Bevölkerung, dem IS angeschlossen hatten. Experten zufolge sind die Beweggründe hierfür meistens nicht religiöser Natur. Die Meisten gehören bereits zu kriminellen Netzwerken und werden dann erst radikal-islamisch, oder sind sozial ausgegrenzte Einzelgänger, die übers Internet mit der IS-Ideologie in Kontakt kommen. Beide Gruppen suchen einen Weg aus der Perspektivlosigkeit und haben oft psychische Probleme. Brüssel wird deshalb immer wieder als europäische Brutstätte des Terrors bezeichnet. Die meisten Migranten in Brüssel kommen aus Nordafrika und der Türkei. Dabei gingen bisher kaum Türken nach Syrien um für den IS zu arbeiten.

Ist Brüssel wirklich so gefährlich?

Teilweise ist da etwas dran, aber trotzdem wimmelt es nicht an jeder Ecke von Jihadisten oder Verbrechern. Die No-Go-Areas in europäischen Großstädten und die Bildung von Parallelgesellschaften sind ein ernstzunehmendes Problem, genauso wie die organisierte Kriminalität, die Clanstrukturen und frauenfeindliche Einstellungen der vor allem muslimischen Migranten und Asylanten. Obwohl wie gesagt die meisten Migranten nicht zu Straftätern werden, haben wir unter ihnen auch einen gewissen Anteil an potenziellen Kriminellen. Terroristische und kriminelle Netzwerke haben sich ebenfalls die offenen Grenzen zu Nutze gemacht und reorganisieren sich in diesen Gebieten. Trotzdem braucht man keine Angst haben durch die (meisten) Straßen Brüssels zu laufen. Zumindest nicht mehr als in Frankfurt oder Berlin.